Archiv für den Monat: Dezember 2012

Der Lebermeridian

Von der großen Zehe ausgehend zieht der Lebermeridian über das Schienbein zum Knie, passiert es vor dem Gänsefüßchen, verläuft entlang der Adduktoren zur Leiste. Dort kreuzt er den Magenmeridian und vereinigt sich mit dem Konzeptionsgefäß.

In der Mittellinie steigt er weiter auf, passiert den Magen, die Speiseröhre und endet schließlich im Kranium. Er öffnet sich in den Augen und im Scheitelpunkt. Hier verbindet er sich auch mit dem Lenkergefäß. Dessen Ki, das mit dem Liquor hinabsteigt, vereinigt sich im Beckenbereich erneut mit dem des Lebermeridians.

Auf Höhe des Schlüsselbeins gibt er in Magen 12 erneut einen Ast ab. Dieser steigt durch die Brust hinab, passiert das Zwerchfell und die Leber selbst. Hier umwickelt es das Organ. Auf Höhe der Spitze der elften Rippe geht er weiter hinab, um sich in Magen 30 mit dem Konzeptions- und dem Lenkergefäß zu vereinigen..

Was für eine Funktion hat der Funktionskreis Leber?

Der Funktionskreis Leber übernimmt eine vermittelnde Funktion, zwischen Ki und Blut. Es speichert Blut und gibt es an die Sehnen weiter. Blut Stasen werden deshalb immer im Zusammenhang mit diesem Funktionskreis behandelt.

Seine Kraft wird als Potenz bezeichnet. Seine Leitbahnsehne zu kräftigen wirkt sich nach fernöstlicher Auffassung auf die Sexualkraft aus. Aber seine Kraft hat auch Einfluss auf die gesamte körperliche Verfassung.

In letzter Zeit übe ich regelmäßig Naikan-ho, eine Art Kraft-Atemübung. Ich habe sie in meinem vorherigen Blogbeitrag und im Zusammenhang mit dem Schlüsselbein bereits beschrieben.

Ich merke, wie diese Übung genau auf diesen Meridian wirkt. Ich spüre, wie sich dabei die Kraft in der Mitte zentriert. Wenn ich die Beschreibung des Meridianverlaufs visualisiere, dann bemerke ich, wie sich das Ki beim Einatmen im Zwerchfellbereich sammelt und sich der Rücken öffnet. Beim Ausatmen kehrt das Ki in den Unterbauch zurück. Es sammelt sich im Becken und Leistenbereich.

Bei der nächsten Atmung steigt es – von den Füßen ausgehend – wieder aufwärts. Es entsteht ein Kreislauf. Und mit jedem Atemzug sammelt sich mehr Ki in der Mittelebene.

Naikan-ho – den Geist entspannen

Im vorherigen Blogbeitrag ‚Schlüsselbein – Bewegungen bewusst erleben‚ habe ich diese Atemübung bereits kurz skizziert.

Da ich in den vergangenen Tagen diese Übung für mich selber neu entdeckt habe möchte ich sie in diesem Beitrag noch einmal näher beschreiben.

Geschichte

Der japanische ZEN-Meister Hakuin Zenji (1686-1769) hatte in jungen Jahren bereits ein Satori-Erlebnis, welches er als die große Erleuchtung interpretierte. Mit diesem Gefühl zog er los. In einem anderen ZEN Kloster traf er schließlich auf einen Meister, der ihm mit Schlägen (!) klarmachte, dass seine ‚Erleuchtung‘ nur ein Hirngespinst sei. Er trat ihn buchstäblich vor das Tor des Klosters – so die Geschichte.

Das traf Hakuin hart, so hart, dass er daraufhin seinen Übermut verlor und ins Grübeln geriet. Eine Art ZEN-Neurose befiel ihn und er wurde körperlich krank.

Kein Arzt konnte ihm helfen und so kam es, dass er auf einen Priester traf, der ihm vermittelte, dass seine Krankheit psychosomatischer Natur war. Der Prister beherrschte QiGong-Techniken und unterrichtete ihn darin. Erst müsse er wieder zu Kräften kommen, danach könne er sich wieder auf die Suche machen.

Hakuin übernahm diese Praxis und begründete eine Art gesundheitsorientierten ZEN Stil (Hayashi, 2012). Die Übung Naikanho ist ein Teil dieser Praxis.

‚Hakuin, der die Kraft des ‚Großen Zweifels‘ beim Durchbrechen der Schranken des Geistes sehr schätzte, legte großen Wert auf das Arbeiten mit Kōans, die in den Übungen der Rinzai-shū von Bedeutung sind. Kōans sind absurd erscheinende Rätsel (zum Beispiel: Wer warst du, bevor deine Eltern geboren wurden?), die dem Schüler zur Lösung aufgegeben werden und ihn zur Erleuchtung führen sollen. Das Besondere hierbei ist, dass diese Koans rein intellektuell nicht zu lösen sind und so dem Schüler höchste geistige und körperliche Anstrengung abverlangen.‘

Zitat aus Wikipedia – Rinzai-shū

Die Übung

Wie bereits im vorangegangenen Beitrag erwähnt, legt sich der Übende auf den Rücken, die Beine gestreckt dicht nebeneinander.

Beim Einatmen strecke ich die Knie durch und hebe dabei mit der Atmung das Becken an. Das geschieht automatisch. Je nach körperlichem Zustand kann das Becken auch nur ein ganz klein wenig angehoben werden. Dann atme ich aus und reduziere die Spannung, löse sie aber nicht ganz auf.

Das ist anstrengend. Die Beine können dabei zu zittern anfangen. Dann sollten Sie sich eine Pause gönnen und zwei drei Atemzüge ausruhen. Mit frischer Kraft fangen Sie wieder an.

Nehmen Sie sich ruhig zehn Minuten Zeit. Achten Sie auf die Spannungsverlagerung im Bauch und im Becken. Atmen Sie nicht maximal. Finden Sie einen angenehmen Atemrhythmus, der zu Ihnen passt und den Sie gleichzeitig auch beobachten können.

Sorgen Sie auch dafür, dass Die Beine gestreckt bleiben: Ich für meinen Teil ziehe mich auch gerne hoch, anstelle, dass ich mich hochstoße. Ich achte dann auf meine Knie und sorge dafür, dass sie auch wirklich durchgestreckt sind!

Naikanho ist eine Übung, die körperlich recht anstrengend ist, aber den Geist beruhigt, weil sie die Atmung entspannt.