Archiv der Kategorie: Japanische Akupunktur

Bei der japanischen Akupunktur handelt es sich um einen eigenen Stil, der auf den altüberlieferten chinesischen Grundlagen beruht. Der japanische Stil kennzeichnet sich durch sanfte und subtile Techniken.

Borreliose: Diagnose und Therapie

Borreliose

Auch wenn das Wetter zu wünschen übrig lässt: es ist Sommer; die Jahreszeit in der wir uns viel draußen aufhalten.
Es ist auch die Zeit in der das Risiko wächst von Zecken befallen zu werden.
Erst kürzlich ist ein Bekannter von mir an Borreliose erkrankt.
Ein kräftiger und aufgeweckter junger Mann.
Anlass genug um diese Erkrankung in diesem Beitrag näher zu betrachten.

Infektion
Der Kontakt mit Borrelien muss nicht zu einer manifesten Krankheit führen. Ein Antikörpernachweis ist bei 20 Prozent der Patienten nach Stich einer mit Borrelien infizierten Zecke möglich. Nur zwei Prozent entwickeln ein Erythema migrans. Bei vielen Personen kann es somit zu einer „stillen Feiung“ kommen, diese sind ganz gesund.

Aufgrund der hohen Durchseuchung der Bevölkerung (zehn Prozent der Blutspender, 30 Prozent der Waldarbeiter, 70 Prozent bei 70-jährigen Jägern) lässt sich schwer ermitteln, bei welchen Patienten tatsächlich die nachgewiesene Borrelien-Infektion zu Beschwerden führt und bei welchen ganz andere Krankheiten dahinterstehen.‘ (Quelle: Österreichische ÄrzteZeitung)

Diagnostik
‚Bei Borreliose-Verdacht führen Antikörpertests oft in die Irre!

Borreliose ist eine der häufigsten falsch diagnostizierten Krankheiten. Experten raten, nur bei dringendem Verdacht das Blut auf Borreliose zu testen.

Bei Patienten mit Borreliose sind praktisch immer Antikörper im (Blut-)Serum nachweisbar. Bei früher Borreliose sind das IgM-Antikörper. Nach etwa vier bis sechs Wochen folgen dann IgG-Antikörper. „Patienten ohne IgG-Antikörper gibt es bei längerfristigen Verläufen so gut wie gar nicht“, sagte Professor Andreas Krause von der Rheumaklinik Wannsee.

Das Problem: Auch in der gesunden Bevölkerung haben viele Menschen IgG-Antikörper gegen Borrelien im Blut. Die Durchseuchung ist unterschiedlich hoch. In Berlin liege sie bei etwa zwölf Prozent, so Krause beim 33. Interdisziplinären Forum der Bundesärztekammer. Die Folge: Wer bei undeutlichen Symptomen einen Borreliose-Test mache, könne auch würfeln, weil der positive Vorhersagewert allenfalls 50 Prozent erreiche, so der Experte.

Typisch für eine Borreliose Erkrankung ist die Erkrankung eines einzelnen großen Gelenks. Bei der Neuroborreliose kommt es vier bis sechs Wochen nach Zeckenstich zu brennenden, reißenden oder bohrenden nächtlichen Schmerzen in den Wurzelsegmenten der Spinalnerven, die schlecht auf konventionelle Analgetika ansprechen. ‚ (Quelle: Deutsche ÄrzteZeitung)

Auslöser
Wie so oft tappen wir hier im Dunkeln: Denn, wieso bricht die Erkrankung nicht bei jedem Infizierten auf?

Ich denke, dass hier der Faktor Stress eine große Rolle spielt. In dem Fall des Bekannten war vermutlich ein chiropraktischer Eingriff am Becken Auslöser (Lehrbuch der Osteopathischen Medizin, S. 160ff) der Erkrankung. Im weiteren Verlauf nach der Manipulation kam es zu einer entzündlichen Reaktion mit Wassersucht im Knie. Die Infizierung selbst stammt vermutlich aus dem Vorjahr.

Behandlung
Manaka zufolge macht es keinen Sinn im akuten Krankheitsstadium mit Akupunktur ‚herumzudoktern‘. Die Behandlung der Wahl ist in diesem Stadium eine systemische Antibiose.

Darüber hinaus erscheint es aber sinnvoll das Immunsystem zu stärken um chronische Krankheits- und Entzündungsprozesse zu stoppen.

Die Mittel der Wahl hierfür sind Akupunkturtechniken zur Stärkung des Qi und Moxibustion um Immunreaktionen zu verändern und zu stimulieren.

Aus eigener Erfahrung mit Erkrankten weiß ich auch, dass insbesondere der Rücken, also die Muskulatur, die der Brustwirbelsäule angrenzt, sehr verspannt ist. Dies gilt es ebenso in die Behandlung mit einzubeziehen. Wirkungsvoll sind hier auch Sotai-Techniken.

Quellen:

Die Nachtkrise: Lunge oder Leber?

„Empty Qi is anger, stagnant Qi is grief!“ (Leeres Qi verursacht Wut, sich anhäufendes Qi wird zu Trauer!“) Mit diesem Zitat wird auf die Funktion der Lungen angespielt, als Speicher für das Qi.

Wenn die Energie im Funktionskreis Lunge stagniert, sie sich dort ansammelt und nicht weiterfließt, dann verursacht das Trauergefühle. Der Gegenspieler der Lunge ist die Leber. Ist das Lungen-Qi zu schwach wird das Leber-Qi im Verhältnis sehr stark. Als Folge dessen kann der Betroffene sehr gereizt sein!

Um diese Logik zu begreifen sollten Sie wissen, dass es in der Algebra der Akupunktur jeweils zwei Gegenspielerpaare gibt: das Herz und die Nieren (Feuer und Wasser) und die Lungen und die Leber (Metall und Holz). Stellen Sie sich eine Wippe vor: auf der einen Seite stellvertretend das Qi der Lungen, auf der anderen das der Leber: Wird die eine Seite zu leicht (bzw. zu schwach), wird die andere (zu) stark.

Die Nachtkrise

Jeder Funktionskreis kennt einen Zeitraum am Tag, an dem er seinen energetischen Höhepunkt hat. Dieser Zeitraum liegt bei der Lunge zwischen drei und fünf Uhr morgens, bei der Leber zwischen ein und drei Uhr nachts. Die sogenannte „Organuhr“ beginnt mit dem Lungen-Funktionskreis und endet mit dem der Leber. Dazwischen ist ein kritischer Moment, die Nachtkrise.

Lunge oder Leber?

Worauf ich hinauswollte: Im Allgemeinen gilt natürlich der Grundsatz, dass eine Erkältungskrankheit eine Leere des Lungenmeridians zur Ursache hat. Behandelt wird dies mit einer kräftigenden Nadelung des Lungenmeridians und häufig mit einer sedierenden Technik des Meridians der Leber.

Nun kann es aber sein, dass die Erkrankung persistiert, also bereits längere Zeit andauert. Ich habe beobachtet, dass sich die Verhältnisse dann ändern. Zumindest der Funktionskreis der Leber wird auf Dauer mit geschwächt. Ich denke es kann sogar so weit gehen, dass sich das Muster komplett umkehrt: Statt einer Leere im Lungenmeridian liegt dann ein böswilliger Einfluss im Funktionskreis Lunge vor.

Die Behandlung ist jetzt eine ganz andere! Jetzt muss das Qi des Leber-Funktionskreises gekräftigt und der schädigende Einfluss aus der Lunge gezogen werden.

Anatomie

Der Lebermeridian verläuft (als Paar) – vom großen Zeh ausgehend – die Innenseite der Beine entlang, kreuzt die Leisten und geht entlang der Flanken in den Rumpf über. Der Lungenmeridian beginnt unterhalb des Schlüsselbeins zieht über die Innenseite des Arms, endet im Daumen.

Wenn der Lebermeridian voller Kraft steckt, dann bildet er die Basis für die Bewegungen des Oberkörpers. Ein gesunder Lebermeridian zeigt sich in der Öffnung der Brust und der Ästhetik der Muskelzeichnung. Die Schultern können ganz entspannt auf der Brust aufliegen, müssen nicht gehalten werden. Somit ist ein gesunder Lebermeridian Voraussetzung für eine starke Lunge.

Der Stand

Dieser Ansatz entstammt den japanischen Kampkünsten, dem Budo. Dies zeigt sich in den Grundstellungen. Im Shiko – und im Kiba dachi vor allem aber im Sanchin dachi werden die Oberschenkelinnenseiten gestärkt. Es heißt auch: „Halte Spannung in Deiner Unteren Schleuse, sodass Oberkörper und Schulter leicht und entspannt bleiben können.“ Diese Spannung wird als ein „Ziehen“ wahrgenommen.

Mein Lehrer hat immer auch den Wert des Lebermeridians betont. Wohl auch, weil sein Verständnis aus den Kampfkünsten herrührt. Es heißt auch, dass die Kraft in die Richtung der Großzehenballe zentriert werden soll um einen kräftigen Stand zu entwickeln.

Mit einer solch stabilen Basis wird eine Art natürliche Grundspannung in den tiefsten Muskelschichten gewährleistet. Die Zwerchfellschenkel können sich weit heben und senken. Die Atembewegung erhält eine solide Basis. Und mit ihr steigt selbstverständlich auch das Energieniveau des Funktionskreises Lunge an.

Sotai & der dritte Brustwirbel

In der Kinderheilkunde, dem Shonishin wird immer wieder auf die Bedeutung von Du Mai 12 hingewiesen. Dieser Punkt befindet sich unter dem Dornfortsatz von Th 3. Dieser Tsubo (Akupunkturpunkt) wird in den unterschiedlichsten Behandlungsprotokollen wiedergefunden.

In meinem vorherigen Blogbeitrag
Der dritte Brustwirbel bin ich bereits auf diesen Punkt eingegangen.

Aber was hat dieser Punkt außerhalb der Kinderheilkunde für eine Bedeutung? Ich denke, dass sich viele Bewegungsgewohnheiten – seit Kinderzeiten eingeschliffene Bewegungsmuster – in diesem Punkt widerspiegeln.

Chronische Störungen

Wenn eine Störung seit langer Zeit besteht, dann schwächt dies das Nieren Qi. Gemeint ist das Feuer zwischen den Nieren. Der Tsubo, mit dem dieses Feuer beeinflusst werden kann befindet sich unter dem Dornfortsatz von L 3.

Mit Sotai Techniken wird an der Balance des Beckengürtels. Damit wird das Nieren Qi gestärkt und verschobene Glieder in die Bewegungskette integriert.


Abb. aus: Sotai Natural Exercise; Keizo Hashimoto; GOMF; Oroville; 1981

In der Abbildung wird deutlich, dass der Beckengürtel und der Schultergürtel miteinander korrespondieren. Die Adjustierung von L 3 bildet die Grundlage für eine adäquate Stellung von Th 3.

Sotai macht die Muskel- und Leitbahnsehnen frei. So schafft es die Voraussetzungen für den Fluss im Meridiansystem.

Der dritte Brustwirbel


Schwindelattacken werden nach Ansicht meines Lehrers Kenji Hayashi im Zusammenhang mit einer Fehlstellung des 3. Brustwirbels (Th 3) gesehen.
Th 3 (Thoraxwirbel Nr. 3) steuert die Bewegungen des Schultergürtels. Wenn er verschoben ist, dann muss zwangsläufig im Hals eine Gegenbewegung stattfinden.
Hier werden dann Vertebralgefäße abgedrückt und Nerven komprimiert.
Der Schwindel wird in diesem Szenario bei einer Drehung zur Gegenseite ausgelöst.

Zumeist ist Th 3 nach rechts verschoben: Die rechte Brustkorbhälfte ist dann gestaucht, das Zwerchfell steht hoch.

Der Magenmeridian im Bereich des Rippenbogens

Ein Schlüssel zur Lösung des Problems liegt in der Behandlung des Magenmeridians im Bereich des Rippenbogens. In diesem Bereich ist die Energie oft gestaut. Diese löse ich mit direktem Moxa. Mit dem Resultat, dass sich die Spannung im Schulter-/Nackenbereich sofort mindert.

Ganz wichtig: Bei mir wird der Lendenbereich in die Behandlung mit einbezogen. Hier ist der dritte Lendenwirbel (L 3) verantwortlich für die Bewegungen des Beckengürtels. Dieser korrespondiert seinerseits wieder mit dem dritten Brustwirbel.

Mit dem dritten Ledenwirbel assoziiere ich Ming Men, das ‚Lebenstor‘. Gemeint ist ein archaischer Akupunkturpunkt, der verantwortlich ist für das Feuer zwischen den Nieren.

In der Akupunktur wird das energetische Grundmuster behandelt. Betroffen sind bei diesen Störungen häufig der Lungen- und der Lebermeridian.

Mit Sotai Techniken wird die globale Bewegungskette und die angrenzende Muskulatur entspannt, sodass die betroffenen Segmente in ihre natürliche Position zurückgleiten können.

Siehe auch:

  • Der gutartige anfallsartige Lagerungsschwindel – BPLS
  • Sotai & der dritte Brustwirbel
  • Der Lebermeridian

    Von der großen Zehe ausgehend zieht der Lebermeridian über das Schienbein zum Knie, passiert es vor dem Gänsefüßchen, verläuft entlang der Adduktoren zur Leiste. Dort kreuzt er den Magenmeridian und vereinigt sich mit dem Konzeptionsgefäß.

    In der Mittellinie steigt er weiter auf, passiert den Magen, die Speiseröhre und endet schließlich im Kranium. Er öffnet sich in den Augen und im Scheitelpunkt. Hier verbindet er sich auch mit dem Lenkergefäß. Dessen Ki, das mit dem Liquor hinabsteigt, vereinigt sich im Beckenbereich erneut mit dem des Lebermeridians.

    Auf Höhe des Schlüsselbeins gibt er in Magen 12 erneut einen Ast ab. Dieser steigt durch die Brust hinab, passiert das Zwerchfell und die Leber selbst. Hier umwickelt es das Organ. Auf Höhe der Spitze der elften Rippe geht er weiter hinab, um sich in Magen 30 mit dem Konzeptions- und dem Lenkergefäß zu vereinigen..

    Was für eine Funktion hat der Funktionskreis Leber?

    Der Funktionskreis Leber übernimmt eine vermittelnde Funktion, zwischen Ki und Blut. Es speichert Blut und gibt es an die Sehnen weiter. Blut Stasen werden deshalb immer im Zusammenhang mit diesem Funktionskreis behandelt.

    Seine Kraft wird als Potenz bezeichnet. Seine Leitbahnsehne zu kräftigen wirkt sich nach fernöstlicher Auffassung auf die Sexualkraft aus. Aber seine Kraft hat auch Einfluss auf die gesamte körperliche Verfassung.

    In letzter Zeit übe ich regelmäßig Naikan-ho, eine Art Kraft-Atemübung. Ich habe sie in meinem vorherigen Blogbeitrag und im Zusammenhang mit dem Schlüsselbein bereits beschrieben.

    Ich merke, wie diese Übung genau auf diesen Meridian wirkt. Ich spüre, wie sich dabei die Kraft in der Mitte zentriert. Wenn ich die Beschreibung des Meridianverlaufs visualisiere, dann bemerke ich, wie sich das Ki beim Einatmen im Zwerchfellbereich sammelt und sich der Rücken öffnet. Beim Ausatmen kehrt das Ki in den Unterbauch zurück. Es sammelt sich im Becken und Leistenbereich.

    Bei der nächsten Atmung steigt es – von den Füßen ausgehend – wieder aufwärts. Es entsteht ein Kreislauf. Und mit jedem Atemzug sammelt sich mehr Ki in der Mittelebene.

    Der gutartige anfallsartige Lagerungsschwindel (Benigner Paroxysmaler Lagerungsschwindel – BPLS)

    Beim BPLS erfährt der Patient plötzliche Drehschwindelattacken, die häufig auch mit Übelkeit und Erbrechen begleitet werden.

    Ausgelöst wird die Schwindelattacke durch plötzliche Lageänderungen. Wobei die symptomatische Seite dem betroffenen Sinnesorgan – dem Innenohr – gegenüberliegt.

    In dem Fall den ich hier beschreibe erfuhr der Patient die Probleme bei einer Rechtsdrehung: Hier war das linke Innenohr – genauer gesagt der hintere linke Bogengang – betroffen.

    Zur Diagnostik werden verschiedenen Tests herangezogen. Ich möchte hier nicht auf alle Tests eingehen, für alle Interessierten füge ich einige Links an:

    Testung

    Dix-Hallpike Test

    Dix Hallpike Testing

     

    De-Kleijn-Nieuwenhuijs-Test

    vertebral artery test

     

    Behandlung

    Epley Manöver

     

    Evaluation

    Unterberger-Test

    Bei diesem Test lässt man den Patienten vor und nach der Behandlung ca. 30 Schritte auf der Stelle marschieren – mit geschlossenen Augen! Der Test ist positiv, wenn der Patient während des Manövers zu einer Seite dreht. Zumeist ist diese Seite dann auch betroffen

    In diesem Fall besserte sich die Symptomatik nach drei Behandlungen in täglichem Abstand deutlich. Beim Unterberger Test zeigte sich nach Ablauf der Behandlung eine kaum noch ausgeprägte Drehtendenz. Im Beginn drehte sich der Patient noch um bis zu 45° während es am Ende unter 10° waren.

    Da der Patient noch Restbeschwerden hatte – insbesondere bei Rechtsdrehung des Kopfes – habe ich den Trapezius (Mönchskappenmuskel) auf der rechten, nicht erkrankten Seite mit Schmerzpunktakupunktur nachbehandelt. In diesem Fall war das Leiden bereits chronifiziert und wurde die Störung im Innenohr durch eine zervikale (die Halswirbelsäule betreffende) Komponente überlagert.

    Außerdem behandelte ich das Zwerchfell mithilfe von Sotai Techniken.
    Siehe auch: Der dritte Brustwirbel

    Zuckerkrankheit

    Die Zuckerkrankheit ist eine sehr verbreitete chronische Krankheit. Bei dieser Krankheit fehlt ein Hormon, dass für die Senkung des Blutzuckerspiegels verantwortlich ist, das Insulin.

    Der Diabetes wird unterschieden in eine altersbedingte und eine bereits in jungen Jahren auftretende Form.

    Heutzutage sind die Patienten sehr gut medikamentös eingestellt. D. h., dass ich in meiner Praxis im Grunde keine Patienten mit einer Fragestellung rundum diese Erkrankung sehe.

    Aber sie kommen natürlich wegen anderer Probleme. In dem Fall, von dem ich hier berichte, waren es chronisch Nackenprobleme wegen derer ich aufgesucht wurde.

    Aus fernöstlicher Sicht deuten chronische Erkrankungen immer auf eine Schwäche des Funktionskreises der Nieren hin. Die Behandlung zielte also auf eine Stabilisierung dieses Meridians …

    Nach der dritten Behandlung dann erklärte mir der Patient, dass einige Tage nach der Behandlung die Wirkung des Insulins länger anhielte. Das sei so ein Nebeneffekt, der ihm auffiele …

    Nun, wo ist der Zusammenhang? Die plausibelste Erklärung scheint mir, dass durch die Stimulierung des Funktionskreises Niere die Produktion von Glukokortikoiden aus der Nebennierenrinde gedrosselt wird.

    Während ein hoher Spiegel von Kortikoiden für ein erhöhtes Stressniveau spricht, deutet ein niedriger auf Entspannung hin. Entspannung bedeutet hier: sammeln! Ich denke, dass durch Sammlung der Kraft im Bereich der Nieren sich eine innere Mitte etabliert, eine Art ruhender innerer Pol, der das Aktivitätsniveau der äußeren Strukturen verringert. Über Rückkopplungsmechanismen wird die Menge des Stresshormons nach unten korrigiert.

    Dr. Manaka hat dafür eine Erklärung parat, die ich in der fünften Ausgabe
    des Newsletter besprochen habe.

    Shonishin – Akupunktur bei Kindern

    Shonishin ist – wie könnte es auch anders sein – eine japanische Methode zur Behandlung von Klein- und Kleinstkindern. Mit ganz leichten Techniken wird das junge Meridiansystem behandelt. Wie im Toyohari wird beim Shonishin mit Kontaktnadelung gearbeitet.

    Im 69. Kapitel des Nan Jing (Klassiker der Schwierigkeiten; ca. 100 n. Chr.) steht geschrieben: „Bei Leere des Kindes behandle die Mutter“. Dieses Prinzip wird im Shonishin sehr wörtlich genommen: Denn die Mütter (oder Väter) erhalten eine Anleitung zur Heimtherapie mit der sie mit streichenden, reibenden oder auch klopfenden Techniken ihr Kind selbst behandeln. Diese Heimtherapie ist sehr einfach und wirkungsvoll.

    Überhaupt wird im Shonishin eher weniger getan, denn gerade die Kleinsten unter uns erhalten durch eine zu starke Behandlung schnell eine Art „Überdosis“, weswegen sich ihre Symptome zeitweise verschlechtern können.

    Das Prinzip „Weniger ist mehr“ ist ganz wichtig: Häufig reichen leichte Akupunkturtechniken – sogenannte Kontaktnadelungen – um das Energiesystem zu regulieren.

    Shonishin findet seinen Einsatz z. B. bei

    •          Dreimonatskoliken
    •          Neurodermitis
    •          Enuresis
    •          Schlafstörungen

    Auf meiner Seite finden Sie ein Beispielvideo
    – für einen ersten Eindruck.

    Das dynamisierende Ki zwischen den Nieren

    Nach altchinesischer Auffassung befindet sich der Konzentrationsort von Yin und Yang zwischen den Nieren, er wird auch Ming Men genannt. Von hier aus werden die physiologischen Prozesse im Körper angeregt.

    Wer sich mit der chinesischen Medizin beschäftigt hat, der weiß um diese Idee. Alles Leben kommt aus dem Wasser und die Nieren sind der Ort an dem der Körper zwischen dem Wasser und dem Salz wählt.

    Die zwei Pole Yin und Yang sind den Wandlungsphasen Wasser und Feuer zugeordnet. Sie sind die gegensätzlichsten Pole innerhalb der fünf Wandlungsphasen. Und diese zwei treffen sich an einem Ort zwischen den Nieren, den man Ming Men nennt, das Lebenstor. Er befindet sich auf dem Niveau des dritten Lendenwirbels.

    In den fernöstlichen Bewegungskunstformen wird immer wieder auf die Notwendigkeit einer stabilen und klaren Hüfte hingewiesen. Mit „Hüfte“ ist der Lendenbereich gemeint. Wenn sich die Hüfte im Gleichklang mit Händen und Füßen bewegt, dann werden die Handlungen anmutig und effektiv.

    Die Grundenergie kann dann in ausreichendem Maße fließen und die Achse sich frei ausrichten. Beim Sotai wird gerade auf die Adjustierung dieses Bereichs großer Wert gelegt. Die Balance im Lendenbereich ist die Basis für unser Wohlbefinden.

    Muskelmeridiane und Leitbahnsehnen

    In der fernöstlichen Medizin kennt man neben den Meridianen, auf denen die Akupunkturpunkte liegen, auch muskuläre Leitbahnen, die dem Verlauf des zugehörigen Meridians sehr ähnlich sind. Sie werden Leitbahnsehnen genannt.

    Ich möchte dies anhand der Leitbahnsehne des Gallenblasenmeridians verdeutlichen. Die Sehne verläuft auf der Außenseite des Körpers und verbindet die Schläfen mit den Fußaußenseiten. Dazwischen befinden sich mehrere Schnittstellen:

    • auf Höhe des Wadenbeinköpfchens
    • auf dem Niveau des Kreuzbeins
    • auf Höhe der Gürtellinie (nicht eingezeichnet)
    • in der Achsel
    • im Bereich der Schläfe

    In meiner praktischen Arbeit habe ich häufig mit Problemen innerhalb dieser Leitbahnsehne zu tun. Viele Lendenbeschwerden stehen meines Erachtens im Zusammenhang mit einer Störung dieser Kette.

    Nach Dr. Masunaga (Psychologe, Shiatsutherapeut), der den Funktionskreisen psychologische Funktionen zugeordnet hat, steht der Gallenblasenmeridian stellvertretend für die Funktion des Entscheidens: Gehe ich nach rechts oder nach links?

    Gemeint sind aber nicht die langfristigen Strategien, sondern die alltäglichen Entscheidungen bezüglich kurzfristiger Fragestellungen.

    „It is not the life event but the daily hazzles that kill a man!“ schrieb der amerikanische Autor Charles Bukowski einmal.

    Wenn man den bioenergetischen Ansatz Dr. Hashimotos um den Dr. Masunagas erweitert, dann kann ich mir gut vorstellen, dass sich allerlei (Bewegungs-)Gewohnheiten in der Struktur dieser Leitbahnsehne widerspiegeln.

    Jeder kennt doch die Situation, in der man sich zu etwas durchringt, es irgendwie möchte und doch auch wieder nicht. Die entsprechende Bewegung ist eine Art Winden, also eine unklare Bewegung, die sowohl zur einen Seite, aber auch zur anderen Seite führt. Solche Muster finden sich bei pathologischen Zuständen in der Leitbahnsehne.

    Auf mikroskopischem Niveau stellt man eine Veränderung der Muskelproteine fest, den „strain“. Über neuronale Rückkopplungsmechanismen wird das vegetative Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen, das wiederum einen Einfluss auf den Stoffwechsel der inneren Organe hat. Auf diese Weise können Störungen im Organsystem mitverursacht werden.

    Um mit Manakas Worten zu sprechen, eine Korrektur in der Software – in diesem Fall im Muskelapparat – könnte Veränderungen im somatoemotionalen Zustand hervorrufen. Abhängig von der Intensität und der Dauer der Beschwerden wird diese Korrektur über einen kürzeren oder längeren Zeitraum erfolgen müssen.