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Absurd erscheinende Rätsel, die dem ZEN-Schüler zur Lösung aufgegeben werden und ihn zur Erleuchtung führen sollen.

Naikan-ho – den Geist entspannen

Im vorherigen Blogbeitrag ‚Schlüsselbein – Bewegungen bewusst erleben‚ habe ich diese Atemübung bereits kurz skizziert.

Da ich in den vergangenen Tagen diese Übung für mich selber neu entdeckt habe möchte ich sie in diesem Beitrag noch einmal näher beschreiben.

Geschichte

Der japanische ZEN-Meister Hakuin Zenji (1686-1769) hatte in jungen Jahren bereits ein Satori-Erlebnis, welches er als die große Erleuchtung interpretierte. Mit diesem Gefühl zog er los. In einem anderen ZEN Kloster traf er schließlich auf einen Meister, der ihm mit Schlägen (!) klarmachte, dass seine ‚Erleuchtung‘ nur ein Hirngespinst sei. Er trat ihn buchstäblich vor das Tor des Klosters – so die Geschichte.

Das traf Hakuin hart, so hart, dass er daraufhin seinen Übermut verlor und ins Grübeln geriet. Eine Art ZEN-Neurose befiel ihn und er wurde körperlich krank.

Kein Arzt konnte ihm helfen und so kam es, dass er auf einen Priester traf, der ihm vermittelte, dass seine Krankheit psychosomatischer Natur war. Der Prister beherrschte QiGong-Techniken und unterrichtete ihn darin. Erst müsse er wieder zu Kräften kommen, danach könne er sich wieder auf die Suche machen.

Hakuin übernahm diese Praxis und begründete eine Art gesundheitsorientierten ZEN Stil (Hayashi, 2012). Die Übung Naikanho ist ein Teil dieser Praxis.

‚Hakuin, der die Kraft des ‚Großen Zweifels‘ beim Durchbrechen der Schranken des Geistes sehr schätzte, legte großen Wert auf das Arbeiten mit Kōans, die in den Übungen der Rinzai-shū von Bedeutung sind. Kōans sind absurd erscheinende Rätsel (zum Beispiel: Wer warst du, bevor deine Eltern geboren wurden?), die dem Schüler zur Lösung aufgegeben werden und ihn zur Erleuchtung führen sollen. Das Besondere hierbei ist, dass diese Koans rein intellektuell nicht zu lösen sind und so dem Schüler höchste geistige und körperliche Anstrengung abverlangen.‘

Zitat aus Wikipedia – Rinzai-shū

Die Übung

Wie bereits im vorangegangenen Beitrag erwähnt, legt sich der Übende auf den Rücken, die Beine gestreckt dicht nebeneinander.

Beim Einatmen strecke ich die Knie durch und hebe dabei mit der Atmung das Becken an. Das geschieht automatisch. Je nach körperlichem Zustand kann das Becken auch nur ein ganz klein wenig angehoben werden. Dann atme ich aus und reduziere die Spannung, löse sie aber nicht ganz auf.

Das ist anstrengend. Die Beine können dabei zu zittern anfangen. Dann sollten Sie sich eine Pause gönnen und zwei drei Atemzüge ausruhen. Mit frischer Kraft fangen Sie wieder an.

Nehmen Sie sich ruhig zehn Minuten Zeit. Achten Sie auf die Spannungsverlagerung im Bauch und im Becken. Atmen Sie nicht maximal. Finden Sie einen angenehmen Atemrhythmus, der zu Ihnen passt und den Sie gleichzeitig auch beobachten können.

Sorgen Sie auch dafür, dass Die Beine gestreckt bleiben: Ich für meinen Teil ziehe mich auch gerne hoch, anstelle, dass ich mich hochstoße. Ich achte dann auf meine Knie und sorge dafür, dass sie auch wirklich durchgestreckt sind!

Naikanho ist eine Übung, die körperlich recht anstrengend ist, aber den Geist beruhigt, weil sie die Atmung entspannt.

Die Holo-Bewegung

In der vierten Ausgabe meines Newsletters (Juni 2009) habe ich das Thema zum ersten Mal behandelt. Kürzlich bin ich wieder darauf gestoßen: auf die holografische Projektion.

Am besten stellt man sich dazu eine Art Verdichtung – ein Plenum – vor, welches den Grund von allem bildet. Die Dinge, die vor unseren Sinnen erscheinen, sind abgeleitete Formen aus dieser Ur-Verdichtung. Dieses Plenum ist nicht nur ein dreidimensionales Gebilde, es ist eine Art „Holo-Bewegung„.

Der Mensch ist ebenso Teil dieser „Holo-Bewegung“ wie alles, was existiert. Finden wir in verschieden Organismen ähnliche Strukturen wieder, so kann man ebenso innerhalb eines Organismus holografische Spiegel desselben wiederfinden: Es spiegelt sich der Körper in den Reflexzonen am Fuß, am Ohr oder in der Hand, aber auch in den fünf Wandlungsphasen der Meridiane wider.

Es ist häufig dieselbe Grundidee, die sich in den mannigfaltigsten Kreationen widerspiegelt. Nehmen wir den Computer: Vielleicht ist der Abakus eine der ersten Manifestationen eines ‚Rechners‘. Doch wohingegen der Gedanke derselbe blieb, ist die Bandbreite der Entwicklungen bis zum heutigen Tag enorm.

In der Akupunktur gibt es dasselbe Prinzip: das Meridiansystem. Es steckt in jedem Lebewesen. Um es zu behandeln benötigt der Therapeut keine Kenntnisse über die einzelnen Schaltkreise; ihm genügt Einsicht in die „Grundidee“ um Veränderungen im Organismus hervorzurufen.

Kumbhaka – Raja-Yoga

Im Raja-Yoga wird die Entwicklung des Geistes angestrebt. Der Lehrer meines Lehrers war ein Schüler von Nakamura Tempu. Tempu war der erste Japaner, der das Raja-Yoga in sein Land einführte.

Tempus Interpretation dieser Yogaschule konzentriert sich auf den körperlichen Aspekt, im Zentrum steht die Kontrolle der unteren Schleuse (des Mula Bandhas). Diese Kontrolle steht in engem Zusammenhang mit der Atmung. Sie wird Kumbhaka genannt.

Meinem Lehrer Kenji Hayashi zufolge, ist das Kumbhaka kein philosophisches Konstrukt, sondern stellt eine weltliche Erfahrung dar. Er beschreibt es als ein Ziehen im Bereich des Steißbeins/Aftermuskels.

Nun, ich habe lange Zeit gerätselt, was es damit auf sich hat. Doch langsam beginne ich zu erahnen, was diese Lehrer meinen: „Wenn mein Becken richtig steht, entspannt sich der Bereich unter dem Brustkorb (das Sonnengeflecht). Das Brustbein wird entspannt, die Schultern liegen locker auf meinem Brustkorb, der Kopf kann nach vorne und oben aufsteigen.“

Jetzt empfinde ich, dass da eine Verbindung zwischen dem Kopf und dem Aftermuskel besteht. Eine Art innerer Kanal, auch Sushumna genannt. Wenn gleichzeitig die Energie in diesem Kanal nach oben steigt und auf der Körperoberfläche absinkt, dann kann ich meinen Schulter-/Nackenbereich loslassen: Eine tiefe Entspannung stellt sich ein.

Siehe auch Körperentwicklung: Vor- und Rückbeuge